18. Dezember

Drachengeschichte für den 18. Dezember

© Patricia Koelle

Patricia Koelle: Drachengeschichten-Adventskalender„Iiih!“ Fissinor war auf etwas Stacheliges getreten. „Was ist das denn?“

„Verzeihung“, sagte Lukas. „Das ist ein Adventsgesteck.“

Jetzt sah Fissinor, dass es ein Tannenzweig war, auf dem eine Art Walze steckte.

„Wir möchten so gerne mal sehen, wie du Feuer machst. Kannst du diese Kerze anzünden?“, bat Lisa.

„Hauptsache, Mama merkt das nicht“, brummelte Lukas, dem nicht wohl bei der Sache war. Natürlich war es den Kindern streng verboten, ohne Aufsicht im Zimmer ein Streichholz anzuzünden.

„Wir nehmen ja gar kein Streichholz und auch kein Feuerzeug“, meinte Lisa pfiffig. „Drachen hat uns niemand verboten. Außerdem, warum soll sie was merken? Wir sind doch leise. Bis jetzt hat sie auch nichts gemerkt.“

„Was ist eine Kerze?“, fragte Fissinor, der ratlos an der Kerze herumgeschnüffelt hatte. Sie roch nach Honig. „Sind da Bienen drin?“

Lisa lachte. „Nein, die ist nur aus Bienenwachs. Hast du etwa Angst vor Bienen?“

„Ja, eine hat mich mal ins Ohr gestochen“, gab Fissinor zu. „Drachenohren sind schrecklich empfindlich.“

„Kerzen sind wie ganz kleine Feuer“, erklärte Lukas. „Guck, du musst nur hier die kleine schwarze Schnur anzünden. Aber vorsichtig.“

„Nimm die Kerze lieber von dem Tannenzweig runter, sonst brennt der auch noch.“ Lisa hatte plötzlich auch Bedenken. Schließlich war Fissinor noch ein sehr kleiner Drache, und er hatte ja erzählt, dass kleine Drachen das mit dem Feuerspucken noch nicht so gut können.

Lukas nahm die Kerze und stellte sie auf einem Teller auf den Boden, weit weg vom Tannenzweig. „So, nun schieß los!“

Fissinor holte tief Luft und konzentrierte sich. Schließlich wollte er sich nicht blamieren. Er pustete. Zuerst kam nur ein Rauchstrahl dabei heraus und die Kerze verschwand für einen Moment im Nebel.

„Auweia“, sagte Lukas und machte schnell das Fenster auf. „Wenn Mama das riecht!“

„Drachenrauch stinkt nicht!“, sagte Fissinor ein wenig beleidigt.

Lisa schnupperte. „Stimmt“, sagte sie, „man riecht überhaupt nichts!

Fissinor konzentrierte sich noch mehr und pustete wieder. Ein kleiner Feuerstrahl erschien, aber er ging weit rechts an der Kerze vorbei und traf beinahe den Vorhang.

„Ich glaube, das lassen wir lieber“, meinte Lukas.

„Ach was, Fissi kann das!“ behauptete Lisa.

„Schon, aber es ist viel zu gefährlich!“

„Es zieht, da kann ich nicht treffen!“ beklagte sich Fissinor.

Lukas schloss das Fenster wieder.

Die Kinder hielten den Atem an und trauten sich nicht, sich zu bewegen.

Fisiinor gab sich solche Mühe, dass er die Augen schloss.

„Mach lieber die Augen auf“, wollte Lisa gerade sagen. Doch da kam ein schnurgerader Feuerstrahl aus Fissinors Maul, nicht zu groß und nicht zu klein. Er traf ganz genau den Kerzendocht!

„Stopp! Sie brennt! Es hat geklappt!“, rief Lisa und klatschte vor Freude in die Hände.

„Psst!“, warnte Lukas. Er schaltete das Licht aus. Andächtig blickten alle drei auf das kleine, aufrechte Leuchten der Flamme. Fissinor war selbst ein wenig überrascht, dass er das tatsächlich geschafft hatte.

Lisa begann ganz leise „Alle Jahre wieder“ zu singen. Lukas stimmte ein und sogar Fissinor brummte ein klein wenig mit.

Als sie draußen Fissinors Großvater heranfliegen hörten, pustete Lisa die Kerze schnell aus.

Auf dem Heimweg war Fissinor sehr glücklich. Er hatte ein Licht angezündet, ganz allein! In dieser Nacht träumte er von der kleinen Flamme. Sie wurde zu einem Glühwürmchen, das ganz hoch in den Himmel flog, bis zu den Sternen.

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Stichwörter:
Weihnachten, Advent, Feuer, Feuerspucken, Drachen, Adventsgesteck, Kerze