11. Dezember

Drachengeschichte für den 11. Dezember

© Patricia Koelle

Patricia Koelle: Drachengeschichten-Adventskalender„Nanu – wie seht ihr denn aus? Ihr habt ja ein Fell an!“, wunderte sich Fissinor und sah von Lisa zu Lukas und zurück. Die beiden saßen angezogen auf ihren Betten und trugen ihre Winterjacken, die Plüsch an den Kapuzen und den Ärmeln hatten.

„Wir haben auf dich gewartet! Papa und Mama sind kurz ausgegangen, und da wollen wir dir was zeigen.“ Lukas zeigte nach draußen. „Wir treffen dich unten!“

Gespannt flog Fissinor vom Balkon nach unten und landete ordentlich vor der Tür.

Lukas und Lisa hatten eine Taschenlampe dabei.

„Ich kann doch auch Licht machen!“ Fissinor blies eine kleine Flamme, die einen lustig flackernden roten Schein auf den Schnee warf.

Lisa hielt ihm schnell die Hand vor die Schnauze. „Bist du verrückt, das sehen die Nachbarn! Wir dürfen doch gar nicht draußen sein!“

Beschämt hielt Fissinor die Luft an, bis die Flamme ausging. Lukas machte die Lampe auch lieber wieder aus. Zum Glück war der Mond hell genug. Sogar so hell, dass die Kinder sich fast vor ihren eigenen Schatten erschrocken hätten. Fissinors Schatten war besonders unheimlich. Manchmal sah er aus wie eine Schlange, manchmal wie eine große Fledermaus.

„Wo gehen wir hin?“, wollte Fissinor wissen.

„Sind schon da“, flüsterte Lukas. Ganz hinten im Garten gab es einen Abhang. Lukas stellte sich oben hin und zog ein großes weißes Bündel aus der Hosentasche. „Plastiktüten“, erklärte er und gab erst Lisa, dann Fissinor eine. Der schnüffelte erstaunt daran.

„Du musst dich draufsetzen!“, erklärte Lisa und machte es ihm vor. „Das geht prima, wenn man keinen Schlitten hat, und vor allem kann man immer eine Tüte in der Tasche haben.“

„Die besten Rutschbahnen findet man nämlich immer unterwegs, wenn man nicht damit rechnet“, ergänzte Lukas. „Guck mal, wie klasse das geht!“

Lisa saß auf ihrer Tüte und sauste kichernd den Abhang herunter. Lukas folgte ihr.

„Jetzt du!“ Die Kinder hielten die Tüte fest, während Fissinor sich darauf hockte. Dann gaben sie ihm einen kleinen Schubs.

„Huiii!“, jauchzte der kleine Drache und sein Schwanz kringelte sich so sehr vor Vergnügen, dass die Tüte sich immer wieder drehte und eine ziemlich schiefe Bahn fuhr. Aber umso lustiger war es!

„Rutschen Drachen denn nie?“, fragte Lisa.

„Ich habe von welchen gehört, die auf einem Gletscher gerutscht sind“, schnaufte Fissinor ganz außer Atem, „aber die sollen sich böse den Schwanz und das Hinterteil aufgescheuert haben.“

„Ich dachte, ihr habt so feste Schuppen“, meinte Lukas.

„Schon, aber auf der Unterseite sind wir empfindlich. Da ist so eine – wie sagt ihr? – schon viel besser.“

„Eine Plastiktüte“, half Lisa.

Sie rutschten eine ganze Weile auf dem Abhang herum. Manchmal hielten sie sich aneinander fest, so dass sie aussahen wie eine kleine Eisenbahn. Dann knipste Lukas kurz die Taschenlampe an und sah auf seine Armbanduhr. „Wir müssen rein! Sonst erwischen uns entweder Papa und Mama oder Fissinors Großvater.“

„Jetzt bin ich auch müde und meine Zehen sind kalt“, gestand Lisa.

„Mein Po auch!“, sagte Fissinor und Lisa musste lachen. Sie konnte aber im Dunkeln nicht sehen, ob Fissinor lächelte.

Fissinor sah zu, wie die Kinder im Haus verschwanden und flog dann schnell auf den Balkon, weil er das Brausen von Großvaters Flügeln schon hören konnte. Er war glücklich. Es war schön, mit Menschenkindern befreundet zu sein. Und er war sich sicher, dass er fast gelacht hatte. Ja, er hatte schon gespürt, wie das Lachen in seinem Hals steckte. Es war nur noch nicht ganz nach oben gekommen. Vielleicht ja nur, weil sein Hals länger war als der der Menschen.

***

Stichwörter:
Weihnachten, Advent, Fell, Schnee, Schlitten, Schlitten fahren

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