10. Dezember

Drachengeschichte für den 10. Dezember

© Patricia Koelle

Patricia Koelle: Drachengeschichten-AdventskalenderIn der Nacht kam der Frost und nachmittags schneite es. Fissinor musste erst ans Fenster klopfen, ehe Lukas ihm öffnete. Es war zu kalt, um es offen zu lassen. „Meine Flügel sind ganz steif!“, beklagte sich der kleine Drache.

Lisa legte ihm eine Decke um die Schultern.

„Jetzt siehst du aus wie ein kleines Gespenst!“

Fissinor schlug unter der Decke mit den Flügeln, wackelte mit dem Schwanz und hüpfte durchs Zimmer. Lukas krümmte sich vor Lachen.

„Klasse! Wir nehmen dich nächstes Jahr mit auf die Halloween-Party, da erkennt dich niemand, und ganz bestimmt gibt es kein großartigeres Gespenst!“

„Sieh mal“, sagte Lisa. Sie zeigte aufgeregt auf Fissinors Schnauze, die unter der Decke hervorsah. „Lächeln kann er jetzt auf jeden Fall!“

Fissinor schüttelte die Decke ab. „Ich hab auch geübt und die Muskeln trainiert, jeden Tag vorm Einschlafen!“, sagte er stolz.

„Das ist ja toll. Hier, koste mal.“ Lukas reichte Fissinor ein kleines Pfefferkuchenherz mit Schokoladenguss.

Fissinor schluckte verzückt. „Mmmh! Noch besser als Erdbeeren! Habt ihr noch mehr davon?“

„Heute nicht. Davon kann einem schlecht werden, wenn man zu viel isst!“, erklärte Lisa. „Darum gibt es sie auch nur in der Weihnachtszeit. Aber ich habe eine Erinnerung, die dazu passt.“

Fissinor rollte sich erwartungsvoll auf der Decke zusammen und hörte gespannt zu.

„Es war vor ein paar Jahren, da gab es auf einmal ganz ungewöhnlich viel Schnee“, erzählte Lisa. „Vater konnte nicht mehr mit dem Auto aus der Garage und musste den Schnee aus der ganzen Einfahrt wegschippen. Mama hat auch geholfen. Wir auch, aber wir waren noch zu klein und der Schnee zu schwer.“

„Lisa hat sich immer auf Vaters Schneeschippe gesetzt, da war die noch schwerer“, lachte Lukas.

Lisa kicherte. „Und dabei habe ich einen nassen Hosenboden bekommen. Jedenfalls hatten wir dann einen riesigen Schneehaufen im Hof, viel größer als Lukas und ich. Die Spitze war beinahe so hoch wie Vaters Schultern.“

„Und da hatte er eine tolle Idee. Erst hat er den Haufen mit der Schippe ganz festgeklopft. Und dann hat er an der Seite ein Loch reingeschnitten und den Haufen ausgehöhlt, und auf einmal hatten wir einen Iglu!“

„Wie eine Höhle?“, fragte Fissinor. Er kannte nur dunkle Höhlen und stellte sich vor, dass eine weiße sehr schön aussehen müsste.

„Genau. Da passten wir sogar beide rein, Lisa und ich. Und in der Nacht hat Vater Wasser darüber gekippt, das ist gleich gefroren, und so wurde der Iglu ganz hart und konnte nicht mehr einstürzen. Trotzdem durften wir nur rein wenn ein Erwachsener in der Nähe war, denn so was kann auch gefährlich werden“, sagte Lukas ernst.

„Mama hat uns einen alten roten Teppich gegeben, den haben wir da reingelegt, und dann war es total gemütlich“, erinnerte sich Lisa. „Es war ganz still innen, weil der Schnee die Geräusche verschluckt. Und wenn wir eine Weile drin saßen, wurde es auch ganz warm. Einmal haben wir im Dunkeln eine Lampe mit reingenommen, und da hat von außen der Iglu geleuchtet wie eine große Weihnachtskugel. Das war toll!“

„Leider gab es seitdem nie wieder so viel Schnee“, meinte Lukas.

Fissinor setzte sich auf. „So ein Leuchten hatten wir auch mal. Vielleicht war es dasselbe Jahr. Da war auch ganz tiefer Schnee, vor allem in den Bergen. Da hatten wir ein Winterfest. Die großen Drachen haben sich am Berghang verteilt und in den Schnee gewühlt, bis man sie nicht mehr sehen konnte. Und dann haben sie Feuer gespuckt. Da hat es überall durch den Schnee geleuchtet.“

„Uii, das hätte ich gern gesehen !“, rief Lukas.

„Klasse!“ Lisa war begeistert. „Aber unser Iglu war auch sehr schön. Sag mal, ist das dein Großvater?“

Der Wind rüttelte am geschlossenen Fenster. Lukas half Fissinor hinaus und machte schnell wieder den Riegel zu.

In dieser Nacht träumte Fissinor, seine Höhle wäre leuchtend weiß.

***

Stichwörter:
Weihnachten, Advent, Halloween-Party, Iglu, Schnee, Gespenst

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