09. Dezember

Drachengeschichte für den 09. Dezember

© Patricia Koelle

Patricia Koelle: Drachengeschichten-AdventskalenderFissinor hüpfte von der Fensterbank. Er bekam einen Riesenschreck, denn er stieß gegen einen Gegenstand, der polternd umfiel. Etwas verhakte sich in seinen Krallen. „Huch!“

„Oh, entschuldige“, sagte Lukas und kam ihm hastig zu Hilfe. „Wir haben vergessen, unsere Federballschläger wegzuräumen.“

Fissinor schnupperte an den seltsamen Gebilden aus einem Stiel und einem steifen Netz. „Was ist das denn Komisches?“

„Mein Lieblingsspiel“, erklärte Lisa. „Dabei stelle ich mir immer vor, ich kann fliegen. Für dich wäre das ja nicht Besonderes.“

„Aber wie funktioniert es?“

„Jeder bekommt einen Schläger, und dann schlägt man damit diesen Ball hin und her“, erklärte Lukas und zeigte ihm den Ball aus einem runden Stück Gummi und einem Kranz weißer Plastikfedern.

„Er fliegt mit einem tollen Zischen ganz hoch in den Himmel. Am liebsten spiele ich das abends wenn gerade die Sonne untergeht.“

Fissinor merkte, dass Lisa dieses Spiel sehr gern mochte.

„Warum hat das Dings keine echten Federn, wenn es fliegen soll?“, wollte er wissen.

„Das gibt es auch, ist aber zu teuer“, sagte Lukas. „Weißt du, die Bälle gehen auch oft verloren. Sie fliegen zu weit oder werden vom Wind abgetrieben und landen in irgendeinem anderen Garten oder auf der Straße oder einem Garagendach. Die findet man nie wieder. Oft können wir nicht spielen, weil alle Bälle weg sind und das Taschengeld nicht für neue reicht. Habt ihr Drachenkinder eigentlich auch so ein Spiel?“

„Wir machen manchmal Astweitwurf. Wir versuchen, mit dem Schwanz ein Holz über eine bestimmte Linie zu schleudern. Aber das können die Größeren besser. Da muss ich noch viel üben“, sagte Fissinor. „Ich muss los.“

„Schon? Du bist doch gerade erst gekommen. Und ich habe deinen Großvater noch nicht gehört!“ protestierte Lisa.

„Trotzdem!“ Fissinor klang irgendwie geheimnisvoll.

Die Zwillinge waren schon fast eingeschlafen, da rumorte es noch einmal am Fenster.

„Was ist denn jetzt los?“ Lukas öffnete.

Fissinor hüpfte herein, die kleinen Arme voller Federbälle. Da er nicht viel in den Pfoten tragen konnte, hatte er noch einen auf jedem Ohr sitzen, einen auf der Nase und einen auf der Schwanzspitze. Er sah so komisch aus, dass die Kinder sich schnell die Hand vor den Mund halten mussten. Wenn sie zu laut lachten, hätte ihre Mutter das sofort gehört. Fissinor fand es auch lustig. Seine Schwanzspitze kringelte sich so sehr, dass der Federball, der darauf steckte, quer durchs Zimmer flog und knapp an Lisas Ohr vorbeisauste.

„He, wo hast du die denn her?“ Lukas war verblüfft.

„Fissinor, das ist ja klasse!“ Lisa hüpfte vor Freude auf und ab.

„Ich hab sie schnell gesucht. Gummi stinkt, das finden Drachen immer. Wir haben eine gute Nase, noch besser als Hunde. Und gute Augen. Die weißen Federn leuchten außerdem im Dunkeln. Zwei lagen auf dem Garagendach nebenan, zwei in der Dachrinne gegenüber und drei im Gebüsch. Einer hing im Birnbaum.“

Draußen schien ein kleiner Sturm aufzukommen.

„Ich bin zu spät, muss los. Großvater war sauer, weil ich mich allein im Dunkeln rumgetrieben habe, aber ich hab ihm gesagt, dass ich euch geholfen habe“, erklärte Fissinor hastig.

„Danke, Fissi!“, rief Lisa schnell und umarmte ihn. Lukas hätte schwören können, dass Fissinors Ohren ein wenig rot wurden.

„Übrigens“, sagte Lukas schläfrig, als sie wieder im Bett lagen, „ich hab gelesen, es gibt jetzt auch Federbälle, die im Dunkeln leuchten!“

„Au ja, die wünsche ich mir zu Weihnachten“, sagte Lisa und war gleich darauf eingeschlafen. Sie träumte davon, wie sie einen leuchtenden Ball ganz hoch in den Himmel schlug, und auf einmal blieb er oben, so dass sie nicht mehr wusste, welches der Ball war und welches die Sterne. „Fissinor kann ihn suchen“, flüsterte sie im Schlaf.

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Stichwörter:
Weihnachten, Advent, Federball, Federball spielen, Weitwurf, Spielen

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