07. Dezember

Drachengeschichte für den 07. Dezember

© Patricia Koelle

Patricia Koelle: Drachengeschichten-Adventskalender„Was ist denn das?“ Als Fissinor zum Fenster hereinkletterte, sah er mitten im Zimmer eine bunte Papierserviette liegen. Darauf stand ein kleiner Stapel aus dunkelbraunen Würfeln. Neugierig stupste er mit der Schnauze dagegen und der kleine Turm fiel um. „Oh“, machte Fissinor erschrocken.

Lukas und Lisa saßen in ihren Betten und lachten. „Das macht nichts“, sagte Lisa, „die sind für dich, zum essen.“

„Das sind die Dominosteine aus den Stiefeln“, erklärte Lukas. „Und übrigens vielen Dank für die Schuppen!“

„Oh ja, alles sieht so schön aus, wenn man hindurchguckt! Danke, Fissi!“, sagte auch Lisa.

Fissinor war ganz gerührt und schnappte schnell einen Dominostein. Er war sich nicht ganz sicher, ob ihm der schmeckte. Aber interessant fand er ihn und aß gleich noch einen zweiten. Der war schon besser. Aber warum die Dinger „Steine“, hießen, verstand er nicht. Es gab nur wenige Drachen, die stark genug waren, mit ihren Zähnen Steine zu zerkauen. Aber dieses Zeug hier war so weich wie der Matsch in der Sandgrube, in der er manchmal spielte.

„Du wolltest uns erzählen, was es bei euch gibt, das so ähnlich ist wie Nikolaus“, erinnerte Lisa ihn.

„Ja, das ist aber nicht im Winter“, erzählte Fissinor. „Das ist zur Sommersonnenwende, am längsten Tag des Jahres. Danach werden die Tage wieder kürzer. Und damit die kleinen Drachen nicht traurig darüber sind, bekommen sie nachts ein Glas vor die Höhle gestellt.“ Der kleine Drache schluckte einen dritten Dominostein.

„Und was ist in dem Glas drin?“, fragte Lisa ungeduldig.

„Lauter Glühwürmchen. Das sind kleine Käfer, die nachts leuchten. Bei uns gibt es die eigentlich nicht, aber die großen Drachen fangen sie in einem fernen Wald und bringen sie uns.“

„Ich weiß, was Glühwürmchen sind!“, rief Lukas. „Aber ich habe noch nie welche gesehen, nur im Bilderbuch.“ Er sprang aus dem Bett, holte ein Buch aus dem Regal und hielt es Fissinor vor die Nase. „Sehen die so aus?“

„Oh, das ist mein Lieblingsbuch!“, sagte Lisa. Auf dem Bild war eine weite Wiese zu sehen. Es war Nacht. Der Mond schwebte zwischen den Bäumen und über dem Gras sah man eine Gruppe kleiner, leuchtender Käfer, die über den Blumen tanzten. Die Käfer waren so hell, dass die Blumen auch leuchteten.

„Ja, so sehen sie aus“, sagte Fissinor. „Alle Drachenkinder treffen sich abends mit ihren Gläsern auf genau so einer Wiese, und dann lassen wir alle Glühwürmchen auf einmal frei. Es sieht ganz toll aus. Und wenn die Glühwürmchen anfangen zu fliegen, fliegen wir ein Stück mit ihnen. Einmal haben sich welche auf Mirinelis Rücken und ihre Flügel gesetzt. Sie fand, es kitzelt, aber sie sah wirklich schön aus, wie verzaubert.“

„Wie lange leuchten denn die Glühwürmchen?“, wollte Lisa wissen.

„Die ganze Nacht. Und das ist die einzige Nacht, in der wir Drachenkinder überhaupt nicht schlafen müssen. Wir dürfen mit den Glühwürmchen spielen, bis es hell wird. Dann kommen die großen Drachen und bringen etwas zu essen. Wir haben dann auch ganz schön Hunger. Mirineli hat letzten Sommer sieben ganze Mäuse gegessen!“

„Lukas hat auch mal sieben Würstchen gegessen, an meinem Geburtstag“, kicherte Lisa.

„Das waren aber sehr kleine Würstchen!“, protestierte Lukas. „Du, Fissinor, könntest du uns im nächsten Sommer vielleicht mal die Glühwürmchen zeigen, ehe du sie freilässt?“

„Au ja, bitte, Fissi!“, rief Lisa.

„Wenn Großvater es erlaubt, klar! Aber da ist er, ich muss weg“, sagte Fissinor.

Auf dem Heimflug dachte er: „Die Lichter der Stadt sehen von oben eigentlich auch aus wie ganz viele Glühwürmchen!“

***

Stichwörter:
Weihnachten, Advent, Glühwürmchen, Dominosteine

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