02. Dezember

Drachengeschichte für den 02. Dezember

© Patricia Koelle

Lisa wachte auf, weil etwas auf ihr Bett geplumpst war. „Hast du mich erschreckt!“

„Wieso schlaft ihr denn schon?“, wunderte sich Fissinor.

Lukas rührte sich auch erst jetzt und gähnte erstmal ausgiebig. „Wahrscheinlich, weil wir uns gestern so lange mit dir unterhalten haben.“

„Sind Drachenkinder denn nie müde?“, wollte Lisa wissen.

„Ja, aber jetzt noch nicht. Menschenkinder brauchen viel mehr Schlaf als ich, hat Großvater gesagt, deswegen holt er mich ja so früh wieder ab.“

„Wir waren aber trotzdem mal im Dunkeln draußen“, sagte Lukas. „Das ist auch eine lustige Erinnerung. Da haben wir bei Freunden geschlafen. Und mitten in der Nacht sind wir heimlich aus dem Fenster gestiegen.“

„Wir haben im Garten Verstecken gespielt. Das war unheimlich“, erzählte Lisa. „Lukas war mit Suchen dran. Er hat niemanden gefunden weil es so dunkel war und musste immer weiter suchen. Da kam er plötzlich angelaufen und hat die Regentonne umarmt und gesagt: Ich hab dich!“

Fissinors Schwanz drehte viele Kringel.

Lukas bemerkte es. „Ich hab halt gedacht, es ist Lisa im Bademantel. Es war doch so dunkel!“, verteidigte er sich.

„Dabei saß ich unter einem Busch direkt daneben“, lachte Lisa. „Ich musste kichern, und da hat Lukas einen Schreck gekriegt.“

„Ich hab mich auch mal nachts erschreckt“, sagte Fissinor. „Ich wollte sehen, ob ich mich im Dunkeln allein aus der Höhle traue. Da war ich noch viel kleiner. Und da bin ich plötzlich mit jemandem zusammengestoßen. Ich dachte, meine Tante hat mich erwischt. Aber es war bloß Mirineli, und die war ganz genauso erstaunt. Vor Schreck haben wir beide eine kleine Flamme gemacht und uns beinahe gegenseitig die Nase verbrannt.“

„Wer ist Mirineli?“, wollte Lukas wissen.

„Ein Drachenmädchen. Sie wohnt in der Höhle neben unserer. Manchmal spielen wir zusammen.“

„Was spielt ihr denn so?“, fragte Lukas.

„Och, auch Verstecken – und über Hindernisse flattern mit den Augen zu – und wer am schnellsten ein tiefes Loch graben kann …“

„Ist Mirineli genauso groß wie du?“ Lisa fand es spannend, dass es auch Drachenmädchen gab.

„Ein bisschen kleiner. Und nicht so grün. Manchmal schimmert sie blau, wie der Himmel, wenn die Sonne scheint.“

Lisa wollte noch mehr über Mirineli erfahren, aber da wackelte das Fenster im Wind.

„Gute Nacht, Fissinor!“, riefen Lukas und Lisa.

„Bis morgen!“

Auf dem Heimweg dachte Fissinor daran, wie Lukas eine Tonne umarmte und sein Schwanz kringelte sich so sehr, dass er beinahe das Gleichgewicht verloren hätte.

***

Stichwörter:
Weihnachten, Advent, Drache, Drachenkinder, Drachenmädchen

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